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UNESCO-Projektschule

Gespeichert von ws am/um 25. Oktober 2012 - 12:13

SCHLEI-BOTE                            25. Oktober 2012 | 04:50 Uhr | Von rn

Klaus-Harms-Schule in Kappeln
Unesco-Projektschule: Gymnasium zeigt Haltung 

Ausgezeichnet: Seit gestern ist Thomas Hellmuth (rechts) Leiter einer anerkannten Unesco-Projektschule. Bundeskoordinatorin Brigitte Wilhelm (Mitte) und Landeskoordinatorin Ute Grönwoldt (2. von rechts) überbrachten Urkunde und Glückwünsche. Über die Würdigung freuten sich auch Susanne Dreyer, Unesco-Koordinatorin des Gymnasiums, und Bürgermeister Heiko Traulsen. Foto: rn


Klaus-Harms-Schule erhielt gestern die offizielle Urkunde der internationalen Organisation aus Paris
Kappeln. Gerade zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Klaus-Harms-Schule ihr Ziel deutlich formuliert hat. Damals, im März 2010, hatte sie die vorletzte Stufe erklommen auf einem äußerst arbeitsintensiven Weg. Im Frühjahr vor zwei Jahren wurde sie "mitarbeitende Unesco-Projektschule". Gestern nun machte das Gymnasium den letzten Schritt, absolvierte so etwas wie eine Reifeprüfung, die die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur verlangt hatte. Der Lohn: die Würdigung als anerkannte Unesco-Projektschule.

Ab sofort also gehört die Klaus-Harms-Schule landesweit zu den zehn Schulen, die dieses Siegel tragen dürfen - eines, das die Einrichtung auszeichnet, das ihr aber gleichzeitig einiges abverlangt. Das Kappelner Gymnasium allerdings stellt sich seiner Aufgabe, so scheint es, mit links. Diesen Eindruck zumindest vermittelte Schulleiter Thomas Hellmuth, der die Veranstaltung mit einem kurzen Rückblick eröffnete. Demnach ist es der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen gewesen, der die Klaus-Harms-Schule 2008 auf die Unesco-Initiative aufmerksam gemacht hatte. Unter dem damaligen Schulleiter Reinhardt Jatzkowski (der gestern ebenfalls dabei war) und dem darauf folgenden kommissarischen Schulleiter Dietmar Hilscher machte sich das Gymnasium zu diesem Zeitpunkt auf den Weg von der interessierten zur mitarbeitenden Unesco-Projektschule. Für die Einrichtung im Hüholz bedeutete dies eine Verpflichtung mit Folgen, immerhin legt die Unesco hehre Leitlinien in der Ausrichtung ihrer Projektschulen fest. Umweltbewusstsein, Demokratieerziehung, Menschenrechtsbildung und interkulturelles Lernen bilden dabei die tragenden Säulen des Unesco-Gedanken. Und bereits jetzt wird ihnen die Klaus-Harms-Schule durchaus gerecht. So erinnerte Thomas Hellmuth unter anderem an die "Learning Week" mit der italienischen Partnerschule, als sich die Schüler auf Englisch mit dem Thema "Erneuerbare Energien" auseinander setzten, an die Projekttage 2011, die den Titel "Auf den Spuren des Unesco-Weltkulturerbes" trugen, oder an den "Christo-Vive"-Vortrag, der sich mit dem Schicksal bolivianischer Kinder befasste. "Die Unesco-Leitlinien haben die Welt von morgen im Blick", fasste Hellmuth zusammen - eine Motivation auch für die Austausch-AG der Schule, die Interesse an anderen Kulturen entfachen will, und nicht zuletzt eben für die Unesco-AG, die den theoretischen Ansätzen immer wieder zum praktischen Vollzug verhilft. Ziel sei es, so Hellmuth, der nachfolgenden Generation eine lebenswerte Welt zu übergeben - "und die Unesco-Projektschulen leisten ihren Beitrag dazu".

Für das Kieler Ministerium für Bildung und Wissenschaft betonte Dr. Annette de la Motte die Bedeutung der Menschen hinter der Unesco-Idee. Neben den Schülern seien dies vor allem die Lehrer, "die eben nicht nur Unterricht nach Plan machen". Zwar verlangten sie mehr von ihren Schülern, seien so aber in der Lage ungleich mehr zu vermitteln. De la Motte sprach von Werten wie Kooperation und Toleranz. "Ich freue mich, dass Sie diese Verantwortung angenommen haben", sagte die Ministeriumsvertreterin.

Auch die Landeskoordinatorin der Unesco-Projektschulen, Ute Grönwoldt, pochte auf das besondere Merkmal, das die Klaus-Harms-Schule nun auszeichne. Zwar engagierten sich viele Schulen für andere, "aber Sie haben sich dazu per Schulprogramm entschieden". Mehr noch: "Sie lassen sich daran messen." Die Kultur des Friedens, die die Unesco ihren Projektschulen voranstellt, sei in internen und externen Aktivitäten des Gymnasiums verankert. Grönwoldt: "Es ist eine Haltung, die Sie vermitteln und der Sie sich verpflichten."

Ähnlich urteilte Bürgermeister Heiko Traulsen über die selbst auferlegte Bestimmung der Schule. "Sie haben Respekt und Toleranz als Grundeinstellungen verfestigt", lobte Traulsen stellvertretend für den Schulträger, die Stadt Kappeln, und sah im Gymnasium ein "Aushängeschild der Unesco".

Die wertvolle Urkunde, die all diese Ansprüche versinnbildlicht, überbrachte schließlich Brigitte Wilhelm, Bundeskoordinatorin der Unesco-Projektschulen. Das Schriftstück stammt aus Paris, Hauptsitz der Unesco. Und damit unterstrich Wilhelm ganz selbstverständlich ein weiteres Motto der Organisation: "Wir handeln vor Ort, denken aber global."

Für die Klaus-Harms-Schule bedeutet dies, dass sie fortan vom rund 9000 Unesco-Projektschulen umfassenden internationalen Netzwerk profitieren kann. Damit einher geht die Verpflichtung, das, was das Gymnasium bis jetzt auf die Beine gestellt hat, weiter auszubauen, zu intensivieren und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Brigitte Wilhelm formulierte dies mit einem Augenzwinkern so: "Jetzt beginnt eigentlich erst die Arbeit." Das haben absolvierte Reifeprüfungen nun mal so an sich.