Sie sind hier

Das Afrikaprojekt

Gespeichert von ws am/um 19. Juli 2011 - 17:48

Afrika – Die Hölle im Paradies

Wie haben wir uns als Kinder Afrika vorgestellt? Da waren all diese bunten Bilderbücher, die uns von einem riesigen, für uns unvorstellbar weit entfernten Kontinent träumen ließen. Einem Kontinent, wo immer die Sonne scheint und wo die wunderschönen exotischen Tiere, die wir nur aus dem Zoo kannten, in Einklang mit einer farbenfrohen Natur leben. Einem Kontinent, auf dem es sich auch als Mensch nur wohl fühlen lässt.

Heute wissen wir, dass diese Vorstellung ganz und gar nicht der Realität entspricht. Zwar leben in Afrika tatsächlich viele Tiere, die hier in Europa ausschließlich im Zoo zu begutachten sind, und auch die Temperaturen kommen uns paradiesisch warm vor. Doch das Leben der Menschen, die dort ihren Alltag zu bewältigen haben, ist alles andere als traumhaft, wie wir immer wieder durch die modernen Medien in Erfahrung bringen.

Bildquelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/71/308019/zoom_0_0/

Aber wer schaut denn überhaupt richtig hin, wenn im Fernsehen über die Armut in Afrika berichtet wird? Die Europäer haben ja ihre eigenen „Probleme“ und das Gefühl von Mitleid, das aufkommt, wenn man ein nacktes Kind mit Hungerbauch und braunen Kulleraugen sieht, schieben sie weit von sich. Statt Trost und Mitgefühl erfahren Afrikaner, die nach Europa kommen und hier arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können, meist eher Ablehnung und Missgunst. Grundsätzlich sind die Vorurteile zwischen schwarzen und weißen Menschen immer noch viel zu groß und gegenwärtig.

Jedoch möchte sich nicht jeder mit dieser inakzeptablen Situation abfinden. Nein, hier in Deutschland gibt es sogar eine Initiative, die dafür kämpft, dass vor allem Kinder und Jugendliche mit der afrikanischen Kultur vertraut gemacht werden, damit Vorurteile gar nicht erst entstehen. Außerdem sollen sie aus erster Hand erfahren, wie die Menschen in Afrika wirklich leben, in welcher Armut und Not. Der Name dieser Initiative lautet „Initiative Black&White für europäisch-afrikanische und internationale

Zusammenarbeit e.V.“. „Black&White“ steht übrigens nicht für die verschiedenen Haut- , sondern Haarfarben.

Black&White“ an der K-H-S

Die „Black&White”-Initiative besteht aus Europäern und Afrikanern. Der Großteil sind Deutsche, es gibt aber eine kleine Gruppe von Mitgliedern, die z.B. in Schulen, Kindergärten oder Kirchengemeinden ihr Programm vorstellen. In dieser Gruppe befinden sich mit einer Ausnahme nur Afrikaner, denn diese wissen schließlich selbst am besten, wie die Situation in ihren Heimatländern ist. Die Gruppe „Black&White“ war am 16.02.2010 auch an unserer, der Klaus-Harms-Schule, zu Besuch. Dort beschäftigte sie sich mit dem achten und neunten Jahrgang. Für alle, die dieses Ereignis nicht miterleben konnten, gibt es hier noch einmal die wichtigsten Themen und Programmpunkte.

Die Einführung

Die Aula ist voller Menschen. Man hört das Getuschel der Schüler, die noch nicht genau wissen, was sie heute erwartet. Auf der Bühne stehen einige Trommeln mit bunten Bezügen und ihnen gegenüber nehmen nun sechs außergewöhnlich gekleidete Personen ihren Platz hinter dem Mikrofon ein. Frau Beland, Deutsch- und Musiklehrerin, die diesen Tag organisiert, betritt die Bühne ebenfalls. Langsam wird es ruhiger im Saal, man spürt eine knisternde Spannung.

 

Als die Lehrerin das Wort ergreift, um die Schüler und die Musikgruppe zu begrüßen, folgen ihr alle sehr interessiert und man merkt, dass „Black&White“ immer noch Spaß an ihrer gemeinnützigen Arbeit haben. Doch viel muss Frau Beland nicht sagen, denn schon stellt sich der einzige Deutsche aus der Gruppe ans Mikrofon und erklärt allgemeine Dinge, wie z.B. wer „Black&White“ sind und in welcher Reihenfolge die Schüler später in ihre Workshops (siehe unten) gehen sollen.

Nachdem alles Wichtige geklärt ist, kann es dann auch endlich losgehen. Und wie es losgeht! Im Kontrast zu den ernsten Themen, die in Verbindung mit „Black&White“ immer wieder angesprochen werden müssen, stellt sich die afrikanische Musik als sehr fröhlich und rhythmisch mitreißend heraus. Bei den meisten Liedern haben die Schüler sogar die Möglichkeit, mitzusingen. So auch gleich bei dem ersten Lied, namens „Jambo“ (dt. Hallo/ Willkommen), das letztendlich bei den Acht- und Neuntklässlern am besten ankommt.

Zwischen den Liedern werden aber natürlich auch oft die Lebensstandards in Afrika angesprochen und auch diese im Vergleich mit denen in Deutschland und grundsätzlich in Europa. Das berührt alle sehr. So können sich die Schüler immer besser in die Lage der Afrikaner hineinversetzen und werden auch offener für die Lieder und Tänze der afrikanischen Kultur. Am Ende stehen sie sogar alle auf der Bühne und tanzen mit, bevor sie dann motiviert in ihre Workshops gehen. Was für eine gelungene Einführung in den Afrikatag an der Klaus-Harms-Schule!

Workshop Trommeln

Großen Spaß haben die Schüler beim Trommeln auf diesen für sie unbekannten Instrumenten. Hierbei studieren sie einen Rhythmus ein, der am Anfang sehr leicht ist, dann immer schwerer wird und zum Schluss richtig professionell klingt.

Wer Lust hat, noch mehr zu trommeln und mal ganz andere Musikinstrumente auszuprobieren, kann gerne zur Samba- AG von Frau Beland kommen, die im Schuljahr 2010/11, hoffentlich mit vielen neuen Mitgliedern, wieder startet!

Workshop Tanzen

Rhythmisch die Hüften zu schwingen, das liegt den Afrikanern oft einfach mehr im Blut als den Europäern. Trotzdem können die deutschen Schüler hier auch einmal zeigen, was sie können. Und obwohl Betreuerin Marina natürlich alles perfekt beherrscht- die lernbereiten Jugendlichen sind sichtlich vergnügt bei der Sache!

Workshop Vortrag

Auch wenn alle an diesem Tag viel Spaß haben, darf man trotzdem den Ernst der Lage nicht vergessen, weswegen „Black&White“ heute gekommen sind. Dies wird im Workshop Vortrag noch einmal besonders deutlich. Dort wird nämlich über die Geschichte der Schwarzen und ihre Erfahrungen mit den Weißen gesprochen. Außerdem werden die Schüler mit vielen erschreckenden Fakten konfrontiert. Hier einige davon:

  • Jeder 7. Mensch in Afrika ist mangelernährt
  • 1000 Kinder verhungern dort jeden Tag
  • Es gibt Kinderarbeit, die hart und oft unbezahlt ist
  • Weiße sind in Afrika die Ausländer, trotzdem vereinnahmen sie Strände, Restaurants o. ä. für sich
  • Afrikaner sind sehr stark von der Wirtschaftskrise betroffen, weil in der EU keine Maschinen mehr gebaut werden und somit keine Metalle mehr benötigt werden, dadurch entsteht eine hohe Arbeitslosigkeit

Hört man, unter welchen Umständen die Menschen in anderen Ländern leben müssen, kann man eigentlich nur schockiert sein. Und auch die Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen zeigen sich betroffen. Ein Workshop, der nicht zum Lachen ist, dafür aber sehr zum Nachdenken anregt.

Workshop Singen

Die Schüler haben sich auf einen Workshop vorbereitet, der einfach nur Spaß macht und gute Laune bringt. Sie denken, es wird vielleicht so ähnlich wie bei der Einführung in der Pausenhalle. Anfangs ist das auch so. Es werden Lieder gesungen, die einem beim Singen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, und alle machen die Bewegungen mit, die vorgegeben werden. Doch dann wird das Lied „Mama Liye“ (dt. „Danke Mama“) angestimmt und alles wird ganz still. Denn nun erzählt die Betreuerin des Workshops ihre Geschichte. Eine Geschichte, die ihr Schicksal, aber auch das vieler anderer Afrikaner beschreibt…..

Die Geschichte einer Afrikanerin

„Vor zehn Jahren kam ich nach Deutschland. Ich musste hierher kommen, denn in Afrika verdient man meist nur 1,50 Euro Stundenlohn. Ich muss schließlich meine Familie ernähren und meine Kinder sollen die Chance haben, eine Schule zu besuchen. Sieben Kinder hatte ich damals, aber inzwischen ist meine älteste Tochter mit 22 Jahren an Malaria gestorben. Meine Mutter erlag derselben Krankheit. Vom Tod der beiden erfuhr ich nur, weil ich einen Mann traf, der ebenfalls aus Afrika nach Deutschland gekommen war. Als er zurück nach Afrika ging, gab ich ihm ein Handy mit und kaufte mir eine Handykarte, damit ich wenigstens mit meiner Familie sprechen konnte. Es tut gut, wenn ich ihre Stimmen höre, aber wir müssen jedes Mal weinen, wenn ich anrufe, denn meine Kinder kennen mich nicht mehr. Als ich fort ging, war mein jüngster Sohn drei, jetzt ist er in der siebten Klasse. Sie fragen mich immer, wann ich endlich zurückkomme, aber ich kann es ihnen nicht sagen, denn wenn ich zurückgehe, haben wir gar kein Geld mehr und deshalb kann ich wahrscheinlich niemals mehr zurück. Ich werde meine Kinder nie richtig kennen lernen. Aber so ist es in Afrika. Wenn man Mutter ist, muss man viel mehr für seine Kinder opfern als hier in Deutschland. Deshalb singen die Kinder viele Lieder, in denen sie den Müttern für all das danken.“

Nach dieser Geschichte sind alle sehr gerührt und entsetzt von dem Schicksal dieser Mutter, die sich selbst für ihre Kinder opfert. „Mama Liye“ bekommt für die Schüler nun eine ganz andere, eine wesentlich tiefgründigere Bedeutung.

Hier noch eine kleine Buchempfehlung für alle, die sich für die Schicksale von Menschen in Afrika interessieren:

Das Buch „Über tausend Hügel wandere ich mit dir – Eine erschütternde Kindheit in Afrika“ von Hanna Jansen erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das einfach alles verliert… - Ein Buch, das zu Tränen rührt und zum Nachdenken anregt.

Es ist im Knaur Taschenbuch Verlag erschienen, unter www.knaur.de und in vielen deutschen Buchhandlungen erhältlich.

Fazit

Der Afrikatag an der Klaus-Harms-Schule war für alle ein voller Erfolg. Die Schüler der achten und neunten Klassen haben wirklich einmal aus erster Hand erfahren, in welchem Luxus sie, verglichen mit den Menschen in Afrika, leben. Auch haben sie sich Gedanken darüber gemacht, ob und wie man das Leben in Afrika verbessern könnte. Und noch dazu hatten alle sehr viel Spaß. Eins steht auf jeden Fall fest: Die Gruppe „Black&White“ ist sowohl eine Bereicherung für unsere Schule als auch für die ganze Menschheit!

Und hier gibt es, wenn Interesse besteht, noch mehr Informationen zu der Initiative „Black&White“ für europäisch- afrikanische und internationale Zusammenarbeit e.V.:

http://www.blackandwhite-schwarzundweiss.de/21955.html

Bilder: Fenja C. Hörcher, Friederike Lang

Text: Sandra Gombert